Montag, 13. Februar 2012

Lesung in der Sezession Nordwest am 16.2.2012 um 19:00

"Pilgern auf dem Olavsweg"

Lesungen mit Diaschauanteil mit Michael Schildmann

Bitte folgen Sie diesem Link um alle Termine zu finden.

www.olavsweg.eu



Mittwoch, 25. Januar 2012

Martina Breuker und Christa Müller im bbk Oldenburg

Zwischen den Welten 


Martina Breuker, Malerei
Foto: M. Schildmann/edition lichtblick
Christa Müller, Bildhauerei

Eröffnung: Sonntag 22.01.2012
Begrüßung: Helmut Kreimeyer
Einführung: Beate Lama



Öffnungszeiten:
Dienstag bis Donnerstag:
14.00 bis 17.00 Uhr
während der Ausstellungen
auch Sonntag: 11.00 -14.00 Uhr



Galerie und Geschäftsstelle:
Peterstr. 1
26121 Oldenburg Tel.: 0441 / 25280




Zwischen den Welten nennen die Malerin Martina Breuker und die Bildhauerin Christa Müller ihre Ausstellung. Mit dem Titel begeben sich die Künstlerinnen in die Bereiche von Vorstellungswelten verschiedenster Kulturen  und Epochen zur Erklärung der Welt, des Lebensraums und der menschlichen Existenz hinein. Sie versuchen diese Vorstellungswelten mit der heutigen Zeit zu verbinden. Zwischen den Welten heißt zwischen Mythologie und Aufklärung, zwischen Feinstofflichkeit und Materie und zwischen Märchen und Wirklichkeit.

Foto: M. Schildmann/edition lichtblick

An den Anfang der Ausstellung setzen die Künstlerinnen ihre Gemeinschaftarbeit „Weltenbaum“. Mit ihrem Weltenbaum übertragen sie mythologische Vorstellungen vom  Weltenzusammenhang in die heutige Zeit. Vor Jahrhunderten diente der Weltenbaum vielen frühzeitlichen Kulturen zur Erklärung der kosmischen Ordnung, der wahrnehmbaren Realität  und erfahrener, für die damalige Zeit aber unerklärlicher Naturphänomene. Der Weltenbaum stand als Weltachse mitten in der Welt. Seine zumeist drei Wurzeln reichten  tief in die Erde und seine Wipfel trugen den Himmel. Er verband die drei Ebenen Himmel, Erde und Unterwelt zu dem „einen“ für die Menschen der Frühzeit erfahrbaren Kosmos. Die Wurzeln des Weltenbaums waren tief im Erdreich verankert. Martina Breukers und Christa Müllers Weltenbaum dagegen steht entwurzelt in einer verrosteten Gerüstkonstruktion. Seine verdorrten Zweige sind mit Zivilisationsmüll und achtlos Vergessenem behangen. Von dem wissenden Adler, der in der germanischen Tradition ursprünglich auf dem obersten Wipfel des Baumes thronte, bleibt nur ein knochiger Krallenfuß zurück. „Der Zustand der Erde durch den Eingriff des Menschen in das Ökosystem“ symbolisiert der Weltenbaum der beiden Künstlerinnen heute. Die Entwurzelung und Missachtung der Natur durch den Menschen, der in seinem Streben nach Zivilisation den eigenen naturhaften Ursprung verdrängt und verleugnet.

Foto: M. Schildmann/edition lichtblick

Mit ihren bildhauerischen Arbeiten, den „Shakti“ spürt Christa Müller gerade diesem naturhaften Ursprung nach. Aus dem Sanskrit übersetzt bedeutet Shakti  „kosmische Energie“ und symbolisiert die aktive, handelnde, weibliche Kraft. „Dem hinduistischen Tantrismus  zufolge ist das weibliche Prinzip älter als das männliche und schließt dieses in sich ein.“ (Schreibt Heinrich Zimmer bekannter deutscher Indologe des 20sten Jahrhunderts in seinem Werk: Indische Mythen und Symbole. Schlüssel zur Formenwelt -  über die Shakti.). In  Christa Müllers Formenwelt sind Shakti „Kraftwesen“. Die ersten ihrer Skulpturen sind vor eineinhalb Jahren in der Toskana entstanden. In einem Flussbett gefundene Marmorbrocken, im Laufe der Zeit vom Fluss verschliffen, erinnerte die Bildhauerin an Urbilder der organischen Formensprache. Aus ihnen entstanden die ersten Skulpturen dieser Serie. Wie die drei Wurzeln des Weltenbaums in der Unterwelt verankert sind, stehen ihre „Kraftwesen“ fest auf dreifüßiger Basis. Trotz der Festigkeit des Materials wirkt dadurch jedes einzelne beweglich gewandt und individuell in Form und Ausdruck. Jedes „Shakti“ der Bildhauerin besitzt durch die Einzigartigkeit des Steines und der gestalteten Form eine eigene Identität und symbolisiert damit, die vielfältigen Ausdrucksweisen von weiblicher Kosmologie und Ausstrahlung. Da sind zum Beispiel, ich nenne sie einmal, die „Urmütter“, die aus Sandstein geformt, unpoliert und mit ihrer akzentuierter Farbigkeit wie fest in der Erde verwurzelt wirken. Und da sind Alabaster und Marmorsteine, die fast in anderen, feinstofflicheren Sphären zu schweben scheinen auf Grund der fließenden Formgebung und glänzender Oberfläche. Doch allen dieser „Wesen“ ist eines gemeinsam: Ihre rau belassene Unterseite erinnert und verbindet sie mit ihrem naturhaften Ursprung.
 


Zwischen den Welten bewegt sich auch Martina Breuker mit ihren Arbeiten zu dem Märchen von Frau Holle. Nicht nur in gestalterisch künstlerischer, sondern auch in ihrer persönlichen realen Lebenswelt. Sie beschreitet mit ihrer Arbeit den weiblichen Individuationsweg, der mit dem Mädchen sein beginnt. Ihre Tochter Linda schaffte im Alter von neun Jahren die Grundlage für die Arbeiten, die wir heute hier sehen. Für eine Schulaufgabe übertrug sie das Märchen von Frau Holle in die heutige Zeit und interpretierte die Geschichte aus der Sicht eines neunjährigen Mädchens im 21. Jahrhundert. Diese Sichtweise wurde zum Ausgangspunkt für die generationsübergreifende Arbeit von Mutter und Tochter. Es entstanden Bilder angelehnt an heute übliche „Fotostories“. In ihrer Erzählweise erinnern die Bilder an einzelne Filmsequenzen und Filmeinstellungen. In den einzelnen „Kapitel“ werden uns in bewusst kindlicher Darstellungsform die Protagonisten der Geschichte über Einzelsequenzen aus unterschiedlichen Perspektiven des Geschehens fast erzählerisch näher gebracht. So unterstützt Martina Breuker mit der Gestaltung der Bilder den kindlichen Rahmen, der den Erwachsenen oft nicht mehr zugänglich ist. Im Märchen ist Frau Holle das Synonym für die Göttin, für die „Mutter Erde“ und zugleich der Gegenpart zur „Mutter Welt“, der realen Mutter. Sie die Mutter Erde, Frau Holle ist die Belohnende und Strafende und gibt Antwort auf die philosophischen und spirituellen Fragen nach dem Sinn des Leidens und der Zerstörung in der Welt.

Foto: M. Schildmann/edition lichtblick

Die „Mutter Welt“ unterstützt mit der Gestaltung des Lebensraums (in diesem Fall hier der Bilder zur Geschichte der Tochter) den kindlichen Rahmen, dessen Inhalte von dem Erwachsenen oft so nicht mehr nachvollziehbar sind. Die kindliche Herangehensweise weicht dem eher ausgereiften Verständnis der Mutter, die über den Ausdruck und das Handeln des Kindes wacht, dieses ordnet und dem Mädchen damit ermöglicht in Zukunft den eigenen Individuationsweg zu beschreiten.
Mit dem im Eingangsbereich hängende Bild: „Warten II“ beendet Martina Breuker den weiblichen Reifeprozess mit dem Archetypus der „Wissenden“.  Eine alte Frau steht auf dem Friedhof und betrachtet uns mit ruhigem, klarem Blick. Sie steht zwischen den Welten, zwischen Leben und Tod und scheint mehr über uns im Leben Stehende zu wissen, als sich uns erschließt.

 
Und während die Malerin sich zum Ende der Ausstellung „Zwischen den Welten“ der Verbindung von realer und auch mythischen, alten Weisen, die um das Leben und den Tod weiß, zugewendet hat, setzt Christa Müller die Bildhauerin der eher abstrakten Vorstellung von „kosmischer, weiblicher Energie“ die Erfahrbarkeit der Körperlichkeit in Form ihrer Torsi gegenüber. 

Diese Torsi scheinen gerade im Begriff zu sein die „weibliche Kraft und Energie“ in körperliche Bewegung und Tanz umzusetzen, ihr damit eine neue Richtung zu geben und einen neuen Zyklus beginnen zu lassen. 
( Beate Lama )

Infos zu Martina Breuker